März 2

Identitätsdiebstahl: neuer Trend bei der Anlegertäuschung

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Am Grauen Kapitalmarkt sein für die Altersvorsorge vorgesehenes Vermögen zu verlieren, wird immer „normaler“. Das liegt natürlich teilweise an der Sorglosigkeit deutscher Anleger, aber auch an immer ausgefeilteren Tricks betrügerischer Anbieter. Der Begriff Identitätsdiebstahl wird in der Zukunft in einschlägigen Berichten immer häufiger auftauchen. Finanzberater sollten darauf vorbereitet sein, ihn in ihren Beratungsgesprächen erklären zu müssen.

Identitätsdiebstahl in Zusammenhang mit Geldanlagen – Wie geht das?

In Großbritannien und in den Benelux-Staaten schlagen sich die staatlichen Finanzmarktkontrolleure schon seit einigen Jahren mit diesem Phänomen herum. Die entsprechende Institution in Großbritannien, die Financial Contact Authority/FCA, ist seit einiger Zeit dazu übergegangen, in ihrer umfangreichen Warnliste die entsprechenden Firmen mit dem Zusatz „Clone“ zu versehen. Zusätzlich wird in vielen Fällen die Firma, die geklont wurde, in der Warnliste genannt.

Die dreisprachige Homepage der belgisch–holländischen FSMA (Financial Service und Market Authority) hat unter dem 13.2.2020 auf ihrer Homepage eine Warnung vor Identitätsdiebstahl ausgesprochen, die konkrete Hinweise für Anleger über Details dieser Vorgehensweise enthält.

Definition

Beim Identitätsdiebstahl verwendet eine nicht registrierte Firma ohne Erlaubnis den Firmennamen einer registrierten Firma in ihrem Angebot. Die „diebische“ Firma ist oft nur auf einer provisorischen Ebene überhaupt existent. Meist verschwindet sie nach kurzer Zeit wieder – häufig spurlos unter Mitnahme der auf diese betrügerische Art und Weise eingesammelten Anlegergelder. Auf die Nennung von Echtnamen von Vorständen, Geschäftsführern oder Aufsichtsräten dieser Firma wird oft verzichtet, so dass die Initiatoren unproblematisch in der Lage sind, ihr Geschäft mit einer anderen gestohlenen Identität fortzusetzen.

Gefahr für Anleger

Auch Anleger, die gewohnt sind, Anbieter, denen sie ihr Geld anvertrauen wollen, zumindest oberflächlich zu überprüfen, können leicht auf solche Betrugsfirmen hereinfallen. Diese Anbieter locken auf ihrer ansonsten sehr lückenhaften Homepage mit einem Link zu der geklonten Firma. Anleger, die auf diesen Trick hereinfallen, haben oft den Eindruck, für die Sicherheit ihrer Anlage besonders viel getan zu haben und sind deshalb von der so getroffenen Anlage besonders stark und besonders anhaltend überzeugt.

Die FSMA weist auch darauf hin, dass in einigen Fällen solche Firmen sogar die Postadresse der geklonten Firma verwenden.

Hinweise darauf, dass es sich um einen „Clone“ handelt oder ganz einfach um eine Betrugsfirma können sich aus der auf der Homepage gewählten Sprache ergeben. Wenn eine Firma ihren Sitz im englischsprachigen Raum hat und ihre Homepage ausschließlich in deutscher Sprache gehalten ist, dann sollten beim Anleger die Alarmglocken klingeln. Natürlich auch, wenn der Anbieter seinen Sitz angeblich im deutschen Sprachraum hat und die Homepage in einer fremden Sprache gehalten ist.

Es versteht sich von selbst, dass Anbieter, die sich einer fremden Identität bedienen, eigentlich immer dem hochkriminellen Milieu des Finanzmarkts zuzurechnen sind. Die dort angelegten Anlegergelder sind auch fast immer dauerhaft verloren, weil sie längst meist auf anonymen Konten in den einschlägigen Schwarzgelddestinationen verschwunden sind.

Gefahr für Vermittler

Solche Betrugsfirmen bedienen sich oft auch der Vertriebsdienste von deutschen Finanzberatern. Besonders gefragt sind Berater mit einem möglichst großen und potenten Kundenstamm. Für den Berater ist dies wegen der meist voluminösen Provisionen sehr verlockend.

Berater, die sich darauf einlassen, gehen jedoch hohe Risiken ein:

Natürlich ist eine solche Beratungstätigkeit immer Falschberatung mit den entsprechenden zivilrechtlichen Folgen. Je nachdem, wie tief der Kontakt zur Betrugsfirma gestaltet ist, kann das auch die strafrechtlichen Vorwürfe Beihilfe zum Betrug oder sogar Betrug zur Folge haben. Ganz davon abgesehen, dass die hohen Provisionen, was oft geschieht, nicht ausbezahlt werden.

Besonders problematisch ist, dass dann, wenn die Betrugsfirma sich im Nebel eines fernen Geldwäschestaates aufgelöst hat, der Berater vor Ort der einzige greifbare Kontrahent eines sich geschädigt fühlenden Anlegers ist. Die Auseinandersetzungen zwischen Berater, Anleger und evtl. der Justiz führen dann oft de facto mindestens zu umfänglichen Kundenverlusten und eventuell zu letztendlichem Berufsverbot oder auch strafrechtlichen Sanktionen.

Warum ist das alles so wichtig?

Firmen, die anderen Firmen die Identität „stehlen“, sind fast immer Betrüger. Dort angelegtes Geld ist höchst gefährdet. Die Verantwortlichen von Clone – Firmen sind meist Kriminelle. Vermittler von Produkten von Clone-Firmen können sich kaum auf Nichtwissen berufen. Weitere aufwändige Recherchen erübrigen sich zunächst. Das spart kostbare Zeit und Kosten. Betroffene Anleger können sich sofort und vollständig auf Aktivitäten zur Wiederbeschaffung Ihrer Einlage konzentrieren. Diese Zeitersparnis kann entscheidend für den Erfolg sein.

Fazit

Wünschenswert wäre, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sich der Praxis der Benelux-Länder und Großbritanniens anschließt und Clones in ihren Veröffentlichungen kenntlich macht und/oder zumindest das Thema Öffentlichkeits-wirksam aufgreift.

Den Firmennamen eines Anbieters zu googeln, reicht meist nicht aus, um dessen Hintergrund auszuforschen und Clones zu erkennen. Recherchen dazu bietet die Deutsche Finanz Recherche GmbH aus Freiburg in drei Stufen mit einem kostenfreien Einstieg an. Die Auskünfte werden dann mit Hilfe einer umfangreichen Datenbank aus nationalen und internationalen Quellen erteilt. 


Tags

BAFIN, Beratung, FCA, FSMA, Identitätsdiebstahl, Neue Masche, unseriös


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