Offene Immobilienfonds werden von den Anlegern mit Geld überschüttet

Die Anleger setzen wieder, verlustreiche Fondsliquidationen hin oder her, auf Offene Immobilienfonds. Das liegt insbesondere am offenbar ungebrochenen Sicherheitsappeal der Anlageklasse Immobilien bei einer großen Zahl von Anlegern.

Hintergründe

Die Statistik des BVI zeigt, dass im Kalenderjahr 2015 bis Ende Juni fast zwei Milliarden EUR neues Geld in Offene Immobilienfonds investiert wurde. Das ist mehr als das Doppelte des Vergleichszeitraums 2014 (ca. 800 Mio. EUR). Alleine im Juni, als sich die neue politische Krisenlage immer deutlicher abzuzeichnen begann, waren es knapp 600 Mio. EUR während im gleichen Monat aus Aktienfonds fast 300 Mio. EUR abgezogen wurden.

Wie legen die Fonds das viele Geld an?

Nach einer Marktstudie des Analysehauses SCOPE legen Offene Immobilienfonds fast ausschließlich in Gewerbeimmobilien an, die natürlich von der positiven wirtschaftlichen Entwicklung in den Haupt-Investitionsländern Großbritannien, Deutschland und Niederlande profitiert haben und profitieren. Offenbar haben die Fonds jedoch Probleme bei der Suche nach geeigneten Investitionsobjekten. Das lässt sich an den hohen Liquiditätsquoten der Fonds ablesen. Die Fachzeitschrift „investment.com“ listet mit Bezug auf das „Handelsblatt“ für das erste Halbjahr 2015 Liquiditätsquoten von bis zu 30 % (Grundbesitz Europa) auf. Der Durchschnitt bei den großen Publikumsfonds liegt danach bei ca. 20 %. Die Fondsrenditen im ersten Halbjahr sollen zwischen 2,13% (Westinvest Inter-Select) und 2,98 % (Hausinvest) gelegen haben. Da wirken sich offenbar die Minizinsen auf den hohen Cashanteil aus.

Dennoch, das ist deutlich mehr Rendite als sie sichere Geldanlagen aufweisen. Allerdings wird durch den hohen Zufluss, der angesichts gestiegener Immobilienpreise eventuell nicht renditeträchtig angelegt werden kann, die Rendite für alle Fondsbesitzer verwässert. Bleiben die Zinsen unten, dann dürften sich steigende Zuflüsse in der Zukunft weiter als Renditebremse auswirken, unabhängig davon, ob das Geld aufs Konto wandert oder zu den jetzt hohen Immobilienpreisen investiert wird. Da muss die aktuell heftig diskutierte angebliche Immobilienblase noch keinesfalls Realität sein.

Beratertaktik

Zum heutigen Zeitpunkt Offene Immobilienfonds zu empfehlen, dürfte bei vielen Kunden auf Widerhall stoßen. Wer als Berater sicher vor Haftung sein will, sollte jedoch die aktuelle Marktlage und die Geschichte der Fondsliquidationen den Kunden nicht verschweigen – und das dokumentieren.

 

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