Anleihen gewinnen: Chance zum Verkaufen?

Die deutschen Anleger sind traditionell Rentenfans. Die Depots sind voll mit Rentenfonds und Mischfonds mit hohen Anteilen an Festverzinslichen Wertpapieren. Der aktuelle Kurseinbruch an den globalen Aktienmärkten beschert den „Renten“ niedrigere Zinsen und deshalb Kurssteigerungen. Sollen Berater Anlegern raten, diese Situation zur Reduzierung ihrer Rentenanteile im Depot zu nutzen?

Hintergrund

Dass die Zinsen bei einem aktuellen Zinsniveau von 0,42 % (Stand der „Umlaufrendite öffentliche Hand“ laut Börse Frankfurt vom 24. 8.) irgendwann wieder steigen werden, ist wahrscheinlich unausweichlich. Dass ein angeblich bevorstehender stärkerer Zinsanstieg immer öfter heiß diskutiert wird, ist gleichfalls bekannt. Die Frage ist wichtig, weil schon ein gering erscheinender  Zinsanstieg von dem jetzt niedrigen Niveau aus auf 2 oder 3 % deutliche Vermögensverluste in den Depots auslösen würde. Da könnte es sich doch anbieten, den starken Zinsrückgang zu Umschichtungen zu nutzen.

Für und Wider

Umlaufrendite 1 Jahr per 24. 8. 2015

Quelle: www.finanzen.net

 

Die Meinungsbildung zu diesem Thema ist nicht ganz einfach. Immerhin lag die Umlaufrendite auch schon mal deutlich niedriger, nämlich am 21. April dieses Jahres bei 0,05 %. Das wäre ein noch deutlich günstigerer Zeitpunkt gewesen, die Rentenlastigkeit im Depot zu reduzieren. Ob die Zinsen noch einmal soweit zurückkommen oder sogar noch weiter in den Minusbereich hinein fallen oder ob es den vielfach prognostizierten Zinsanstieg demnächst gibt, ist von so vielen Dingen abhängig, dass eine Prognose einem Lotterielos nahe käme.

Allianz Euro Rentenfonds 3 Monate per 24.8.2015

Quelle: www.finanzen.net

Der Zusammenhang zwischen Aktienmarktbaisse und rückläufiger Zinsentwicklung wird jedoch deutlich. Es liegt also nahe, solche Marktereignisse zu Umstrukturierungen im Depot zu nutzen.

Einer der bekanntesten Euro-Rentenfonds, der Allianz Euro Rentenfonds (WKN 847504) soll unser Testfonds für eine realistische Darstellung der Reaktion von Rentenfonds auf Krisensituationen am Aktienmarkt sein. Wie der nebenstehende Chart zeigt, reagierte der Fonds auf die Zinserhöhung vom Juni auf 0,75 % (Umlaufrendite, siehe Chart oben) mit einem deutlichen Preisrückgang von rund 64 auf rund 62 EUR je Anteil. Dann wurden die Probleme in China immer mehr bekannt und die Aktienbörsen legten den Rückwärtsgang ein. Das zuvor in Aktien angelegte Geld suchte einen sicheren Hafen, wodurch deutsche Bundesanleihen immer mehr gefragt waren. Das sorgte dann für den Wiederanstieg auf 64 EUR.

Taktikvorschlag

Berater und Vermittler, die bei ihren Kunden die Rentenlastigkeit in den Depots reduzieren wollen, könnten die Situation zu einem Teilverkauf nutzen. Wohin dann mit dem Geld? Vorübergehende Festgeldanlagen oder einfach Kontoguthaben sind nicht unbedingt schlechter verzinslich als deutsche Festverzinsliche, wenn man alle Kosten und Steuern berücksichtigt. Deshalb bietet sich eine Zwischenanlage auf dem Konto an. Nach und nach sollte auch daran gedacht werden, die wieder niedrigen Aktienkurse zum Einstieg zu nutzen, denn für mittel- und langfristige Anlagen, da sind sich viele Experten einig, sind Aktien unverzichtbar.

Hinweis:

Dieses Thema wurde bereits in „Versicherungspraxis24“ (www.versicherungspraxis24.de) mit teilweise identischen Inhalten behandelt. Dort finden Sie auch weitere interessante Inhalte zu diesem und anderen Finanz- bzw. Vertriebsthemen.

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