Geschlossene Fonds: Sinn und Unsinn

Grundsatz

Geschlossene Fonds haben in den letzten 30 Jahren Vermögensverluste bei einer breiten Bevölkerungsschicht in Höhe von geschätzt  einer knappen Billion Euro verursacht. Das ist einfach zu berechnen wenn man die jährliche Schadenssumme, wie sie z. B. auch von der Stiftung Warentest genannt wird, mit 40 Mrd. EUR annimmt und einen Abschlag berücksichtigt, weil es keine statistischen Erhebungen dazu gibt und weil auch einige andere Graumarktprodukte zum Schaden beigetragen haben.

Altersvorsorge

Der Schaden geht fast vollständig zu Lasten der privaten Altersvorsorge breiter Bevölkerungskreise. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Mittelstand, der als Systemträger bekannt ist, besonders betroffen ist. Handwerker, Kleingewerbetreibende, Freiberufler, die meist kaum Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung haben, sind in großem Umfang betroffen. Im Falle einer wirtschaftlichen Stagnation könnte sich das zu einer Katastrophe ausweiten. In guten Zeiten wird das überdeckt durch hohe Erlöse bei der Firmenübergabe.

Hauptproblem mangelnde Geeignetheit

Geschätzt rund 95 % aller Zeichnungen Geschlossener Fonds führen für die jeweiligen Zeichner zu einer für sie ungeeigneten Investition. Bei den restlichen 5 % mag aufgrund eines umfangreichen Vermögensmix und bewusst hoher Risikotoleranz eine Eignung zu erkennen sein. Zu den 5 % gehören natürlich auch diejenigen Institutionellen, die die Konstruktionsformen der Geschlossenen Fonds nutzen, um die Verwaltung bestimmter Investitionen auszulagern.

Nichteignung wegen Intransparenz und Gestaltungsproblemen

Geschlossene Fonds sind eigentlich für jeden privaten Anleger ungeeignet. Das ergibt sich aus der Intransparenz bei der Zeichnung und im Zeichnungsverlauf aus  der mangelnden Fungibilität und aus dem unbestimmten Laufzeitende. Das wiederum ergibt sich aus der Wahl gesellschaftsrechtlicher Konstruktionen (KG, GBR, Genossenschaft usw.), die von vornherein nicht für Investitionen eines größeren Investorenkreises geeignet sind.

Geschlossene Fonds sind jedoch auch deshalb für private Anleger ungeeignet, weil es sich um eine Unternehmensbeteiligung handelt, die in aller Regel wegen der zusätzlichen Kostenbelastung im Wettbewerb am Markt kaum eine Chance hat. Ein Unternehmen, das in den Wettbewerb am Markt mit zusätzlichen Kosten, im Fachsprech Weichkosten, in Höhe von 20 % aufwärts startet, wird in der Regel am Markt untergehen oder ungenügende Erträge bringen.

Ein weiteres Problem der Produktlinie ist die nicht nachprüfbare Fachkompetenz der Fonds- Geschäftsführung.

Schon diese wenigen Punkte erklären das Schadensdesaster dieser Produktlinie in den Vermögen deutscher Privatanleger.

 

Marktwirkung

Die Interessenlage der Initiatoren Geschlossener Fonds orientiert sich auch nicht an den Marktchancen, obwohl in den Emissionsprospekten immer das Gegenteil behauptet wird. Fonds werden stattdessen dann aufgelegt, wenn eine möglichst schnelle Zeichnung des Gesamtvolumens zu erwarten ist. Diese orientiert sich nicht daran, ob ein Projekt, das es meist noch gar nicht gibt (Blind Pool), eine erfolgversprechende Entwicklung erwarten lässt, sondern daran, ob genügend Vertriebspotential vorhanden ist. Ist ein großer Vertrieb gewonnen, dann gibt es auch einen Fonds und dieser Vertrieb wird auch einen Nachfolgefonds fordern, egal wie die Aussichten in dem avisierten Marktfeld aussehen.

Was diese Verhältnisse an einem Markt ausrichten können, ist gerade bei den Schiffsfonds zu besichtigen, bei denen die Investitionen deutscher Anleger zu riesigen Überkapazitäten geführt haben und einem dadurch verursachten massiven Verfall der Frachtraten und das obwohl die Nachfrage nach Kapazitäten allenfalls zeitweise und marginal zurückgegangen ist.

Die Zukunft

Im Interesse der Berater und deren Kunden ist zu hoffen, dass diese rein deutsche Form eines Finanzprodukts ausläuft. Da könnte sich der Verband Lorbeeren verdienen.

 

 

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