Finanzberater: Kurzcheck von Graumarktanlagen bzw. Geschlossenen Fonds

Im Finanzberateralltag sind die Anforderungen der neueren Anlegerschutzgesetze vor allem eins – zeitaufwändig. Da hilft manchmal ein Kurzcheck, um schon einmal die größten Gefahrenherde zu identifizieren. Das kann existenzerhaltend wirken,  weil auch die wegen der meist vollständigen Intransparenz nur sehr schwer analysierbare Produktgruppe der Graumarktanlagen für den Finanzberater erhebliche Schadenersatzrisiken in sich bergen, auch wenn sie von anderer Seite vermittelt wurden.  

Hintergrund

Zu einer seriösen Finanzanalyse gehört, jetzt auch aufgrund gesetzlicher Vorschriften, nun einmal eine vollständige Vermögensaufstellung. Sie ist auch unverzichtbar, wenn es darum geht,  dem Berater die für seinen Rat wichtige Prüfung der Geeignetheit für den jeweiligen Anleger der vorhandenen bzw. später eventuell zu empfehlenden Finanzprodukte zu ermöglichen.  Tauchen nun in der Vermögensaufstellung z. B. Geschlossene Fonds bzw. Graumarktprodukte, wie Genussscheine, Konstruktionen mit Anleihecharakter oder Genossenschaftsanlagen auf, erwartet der jeweilige Anleger von dem sich als kompetent darstellenden Berater, dass er sich bei erkennbarer Problematik, dazu äußert. Das ist inzwischen zunehmend auch Thema in Schadenersatzprozessen gegen Berater.

Kurzcheck 1: Ausschüttung

Es beginnt mit der profanen Frage: Wurde die versprochene Ausschüttung bisher immer bezahlt?  Empfehlenswert ist es, dezidiert zu fragen und auf zögernde Antworten immer nachzufragen. So können sich viele Anleger „im Moment“ zwar daran erinnern, dass schon Ausschüttungen geflossen sind, wissen jedoch gleichfalls „im Moment“ nicht, ob diese Ausschüttungen zum prospektierten Zeitpunkt gezahlt wurden und ob sie auch tatsächlich in der prospektierten Höhe erfolgt sind. Beides sind wichtige Hinweise darauf, ob eine Finanzanlage noch funktioniert oder nicht. Aber natürlich können auch Finanzanlagen, die bisher korrekt ausschütten, längst in existentiellen Problemen stecken.

Kurzcheck 2: Berichterstattung

Nur wenige Anleger achten darauf, ob die regelmäßige jährliche Berichterstattung tatsächlich stattfindet oder nicht und ob sie rechtzeitig stattfindet, also zumindest im Laufe des Folgejahres, ob die Berichterstattung bei Beteiligungen und beteiligungsähnlichen Anlagen einen testierten Jahresabschluss enthält und insgesamt aussagefähig und vor allem verständlich  war und ist.

Kurzcheck 3: Emissionsprospekt

Ein sehr  eindeutiger und fast immer zutreffender Hinweis auf maximal erhöhtes Totalverlustrisiko ergibt sich auf die Frage nach dem Emissionsprospekt. Hat der Anleger im Antrag den Erhalt des Emissionsprospekts bestätigt, diesen aber nicht erhalten, ist bzw. war mit größter Wahrscheinlichkeit die Anlage für den jeweiligen Anleger vollständig ungeeignet (aber maximal verprovisioniert).  Das ergibt sich schon daraus, dass der Anleger das Unterlassen der bestätigten Übergabe nicht bemerkt hat, also die Anlage und deren Chancen und  Risiken nicht verstanden hat. Natürlich kann er ohne Emissionsprospekt die Risiken auch gar nicht kennen.

Fazit

Um diese drei Punkte zu checken, benötigt ein versierter Finanzberater maximal fünfzehn Minuten Zeit.  Diese Zeitspanne kann noch verkürzt werden, wenn zu jedem Check nur eine Frage also drei Fragen und diese hintereinander, ohne die Antwort des Anlegers abzuwarten, gestellt werden. Wenn der Anleger dann zum Beispiel sagt, dass er auf keinen Fall einen Emissionsprospekt erhalten habe, dann ist das schon ein deutlicher Hinweis auf Gefahr im Verzug, die auch für den Finanzberater besteht, wenn er nicht darauf reagiert.  Der Fall muss dann zum Fachmann. Dazu demnächst mehr.

 

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