Provisionsverbot in den Niederlanden: Beratungsabonnements

In der Versicherungs- und Finanzierungsberatung, die in den Niederlanden oft in den Händen eines einzigen Beraters liegt, gibt es aufgrund des Provisionsverbots eine interessante Entwicklung, die sogenannten Beratungsabonnements. Da das Provisionsverbot auch in Deutschland derzeit heftig diskutiert wird, erscheint es interessant, wie man in einem Land, das nun schon auf rund drei Jahre Erfahrung mit dem Provisionsverbot zurückblickt, damit umgeht.

Hintergrund

Die Fachpresse und viele deutsche Berater und Makler sind der weitgehend einhelligen Auffassung, dass das Provisionsverbot für den Vertrieb und die Kundschaft nur Nachteile aufweist. Das ist jedenfalls der Eindruck, der sich bei der Recherche zu diesem Thema im Internet und in den Fachmedien ergibt. Einer der Hauptkritikpunkte ist, dass sich durch das Provisionsverbot die Anzahl der Berater und Vermittler deutlich reduziert und dass darunter vor allem Versicherungskunden aus niedrigeren Einkommensbereichen leiden. Für sie gäbe es nämlich nun, nachdem die Provision weggefallen ist, kaum noch Beratung, weil auskömmliche Honorare bei kleineren Abschlüssen kaum durchsetzbar seien.

Beratungsabonnements

Uns liegt das Angebot eines Beratungsunternehmens aus Amsterdam an einen Kunden vor, der bei seinen privaten Versicherungen und bei der Finanzierung seiner Eigentumswohnung von diesem Unternehmen beraten wurde und wird. Er bietet seinen Kunden ein Beratungsabonnement in zwei Varianten an. Eine günstigere Variante mit einem Monatsbeitrag von EUR 5 und eine Premium-Variante die monatlich € 10 kostet. Letztere Variante beinhaltet zum Beispiel die Möglichkeit juristische Fragestellungen klären zu lassen. Direkte geldwerte Vorteile ergeben sich z. B. aus einem Paketrabatt auf die Prämie bei Abschluss von vier oder mehr Schadenversicherungen, egal bei welcher Versicherung, über das Beratungsunternehmen.

An einer Stelle des Abonnementangebots wird besonders deutlich, worum es dabei eigentlich geht. Dort heißt es wörtlich (übersetzt aus dem Holländischen) nach der Zwischenüberschrift „Rabatt auf Finanzberatung“:

Bis vor kurzer Zeit war beispielsweise Hypothekenberatung kostenfrei. Sie konnten bei jedem Finanzberater Beratung zur Hypothekenfinanzierung und ein Angebot erhalten.

Die Kostentransparenz und das gesetzliche Verbot bei Provisionen haben zur Folge, dass sachkundige Berater ihre kostbare Zeit allein noch an Interessenten zur Verfügung stellen wollen, die fachkundige Beratung haben wollen und auch bereit sind dafür zu bezahlen. Die Tarife für Hypotheken- und Altersvorsorgespezialisten liegen deutlich über EUR 100 pro Stunde.

Es folgt dann noch ein Hinweis darauf, dass das teurere Abonnement einen Rabatt i. H. v. 25 % auf diese Beratungstarife bietet.

 

Fazit

An diesem Beispiel wird deutlich, wie sehr die Beratungslandschaft sich ändern würde, wenn auch in Deutschland, wie schon in den Niederlanden und Großbritannien, ein gesetzliches Provisionsverbot kommen würde. Die Entwicklung in den Niederlanden zeigt aber auch, dass kleine und mittlere Kunden tatsächlich durch ein Provisionsverbot Schaden erleiden könnten, weil sie die Beratungskosten nicht bezahlen können oder wollen.

 

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