Indexschmuser-Debatte: Ergebnislos aber schädlich

„Closet Indexing“ ist der englische Fachbegriff für das zu Deutsch als „Indexschmuser“ bezeichnete Phänomen. Es geht dabei um laut Prospekt eigentlich aktiv gemanagte Fonds, denen vorgeworfen wird, sich am Index entlang zu hangeln und dennoch hohe Management-Gebühren zu erheben. Die Aufregung darüber ist in der Branche beträchtlich und hat zu einer Untersuchung der BAFin geführt, die die erhobenen Vorwürfe jedoch nicht bestätigt hat.

Hintergrund

Angeheizt, insbesondere von den Vertretern der  Verbraucherzentralen, findet seit ein paar Jahren ein Meinungskrieg statt, in dem gelegentlich den gemanagten Fonds ihre Existenzberechtigung abgesprochen wird. Sie würden ja ohnehin selten den Index schlagen, behaupten insbesondere Branchenmitglieder mit wenig Investmentfondserfahrung. Da könne man viel besser in einen der kostengünstigen Indexfonds investieren.

Diese einfache Sicht der Dinge trifft das Problem zwar nicht, lässt sich aber gut verkaufen. Häufig werden und wurden Äpfel mit Birnen verglichen, indem zum Beispiel Fonds mit bewusst defensiven Anteilen mit wesentlich volatileren Aktienindexfonds verglichen werden. Es wird polarisiert und dabei sind nüchterne Statements  wonach zum Beispiel beide Fondskategorien ihren Sinn haben, manchmal sogar innerhalb eines einzigen Wertpapierdepots, nicht besonders gefragt.

BAFin – Untersuchung

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht/BAFin hat sich des Themas angenommen. Das Ergebnis wurde Ende vergangenen Jahres bekannt: Es wurden keine reinen Indexschmuser gefunden. Dabei wurden deutsche Aktienfonds mit einem Aktienanteil von mindestens 51 % und einem Fondsvolumen von mindestens 10 Mio. EUR geprüft.

Die BAFin will jedoch durch eine Steigerung der Transparenz, die bereits ab Mitte 2017 wirksam werden soll, die Gesellschaften zu Angaben zum Beispiel zu Abweichungen von einer vorgegebenen Benchmark auch mittels eines Charts verpflichten.

Das Problem ist auch, dass konkrete Zahlen dazu, wann ein Fonds zum Indexschmuser wird, nicht existieren. Hinzu kommt, dass man einem Fondsmanagement ja nicht einfach verbieten kann, nahe am Index zu investieren. Auch das kann schließlich in einer bestimmten Marktsituation eine wohlüberlegte und für den Anleger nützliche Entscheidung sein.

Fazit zum Thema Indexschmuser

Den Kritikern wird das nicht gefallen, weil ihre meist eher emotionalen Argumente so nicht gewürdigt werden. Emotion pur sind auch viele Leserkommentare in der Fachpresse. Welche Gründe die Verbraucherzentralen und manche Politiker umtreiben, sich in die vorderste Reihe der Kritiker zu stellen, bleibt im Dunkeln. Die Entscheidung der BAFin jedoch, mehr Transparenz von den Gesellschaften zu fordern, könnte zu einer Versachlichung  der für die gesamte Investmentfondsbranche letztendlich schädlichen Diskussion führen und ist deshalb zu begrüßen

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