April 7

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Aussichtsreiches Langfristinvestment: Wasseraktien

Von Helmut Kapferer

April 7, 2021


Während sich derzeit unvernünftige Anleger von betrügerischen Anbietern, die dreistellige Renditen in wenigen Tagen versprechen, beeindrucken lassen, schaut ein anderer Teil der Anlegerschaft auf das Thema Klimawandel und Nachhaltigkeit. Insbesondere das Thema Süßwasser tritt immer mehr in den Vordergrund, weil der Wassermangel weltweit, aber auch in vielen Teilen Deutschlands, in Form sterbender Wälder und austrocknender Flussläufe höchst präsent ist.

Warum investieren?

Die öffentliche Wahrnehmung für das Thema Wasser ist in Deutschland gering. Wir sind es gewohnt, dass Wasser aus dem Hahn fließt, sobald man ihn aufdreht. Der Wasserpreis ist niedrig. Wasser ist bei uns ein öffentliches Gut, das von den Kommunen verwaltet und organisiert wird.

Ganz anders in Staaten, in denen die Wasserversorgung ganz oder teilweise in privater Hand ist, wie z. B. in den USA. Von dort sowie auch z. B. aus Australien kommen alljährlich erschreckende Berichte über akuten Wassermangel, stark steigende Preise, Probleme mit der Sauberkeit des Wassers, usw. Für viele Drittweltstaaten ist die mangelnde Wasserversorgung und oft gesundheitsgefährdende Wasserqualität schon so normal, dass diese Problematik westliche Medien gar nicht mehr erreicht.

Das Thema wird von Jahr zu Jahr drängender. „Wasser wird das neue Öl“ titelt Spiegelonline unter dem 4. 4. 2021. Es ist abzusehen und schon lange nicht mehr vermeidbar, dass die Versorgung der wachsenden Weltbevölkerung mit sauberem Trinkwasser  in Zeiten des Klimawandels das beherrschende Zukunftsthema ist und für lange Zeit auch bleiben wird.

Was kann helfen?

Schon in den Nullerjahren hat das VDI Technologiezentrum eine „Übersichtsstudie Wasserknappheit & Technologie“ erstellen lassen, in der die Fakten sehr gut aufgearbeitet wurden. Die Studie nennt drei Strategien, mit denen dem Wassermangel entgegengewirkt werden könnten:

  • Mit „Minimierung des Wasserverbrauchs“ sind Vorgehensweisen wie „Ersatz von Trinkwasser durch Betriebswasser“. Betriebswasser (auch Nutzwasser, oder Brauchwasser genannt) ist Wasser, das keine Trinkwasserqualität hat, angesprochen. Damit könnten zum Beispiel landwirtschaftliche Flächen, Parkanlagen usw. gewässert werden, was aktuell fast durchgehend noch mit Trinkwasser erfolgt. Diskutiert wird seit langem die Verschwendung von Trinkwasser durch die Toilettenspülung. Dazu müssten Brauchwassernetze neben dem Trinkwassernetz erstellt werden. Eine für viele Unternehmen höchst lukrative Langzeitbeschäftigung bei relativ hohem Arbeitsplatzbedarf.
  • Mit „Maximierung der Verfügbarkeit“ ist hautsächlich der ganze Bereich des Wasserrecycling gemeint, wie das Abwasserrecycling  und die Grundwasserreinigung und Anreicherung.
  • Bei den “Technologien zur Wasseraufbereitung und Wassergewinnung“ geht es um Trankwasseraufbereitung, Wasserentsalzung und zur Wasseraufbereitung entwickelte Membran- und Nanotechnologien.
  • Ein Sonderthema bilden die „Instandhaltungsmaßnahmen“ der Rohr- und Abwasserleitungen. Viel Trink- und Abwasser versickert weltweit wegen mangelnder Instandhaltung der Leitungssysteme ungenutzt im Boden. Alleine für die entwickelten Länder schätzte die Studie seinerzeit ein jährliches Investitionsvolumen von 100 Milliarden US $ für die Instandhaltung. Alleine für die Instandhaltung bzw. Instandsetzung des noch aus viktorianischer Zeit stammenden Londoner Leitungssystems wird in der Studie ein Bedarf von 3,6 Mrd. US $ genannt.

Wie investieren?

Um es vorwegzunehmen: Empfehlenswert erscheinen für passive Langfristengagements vor allem gemanagte Fonds. Dies gilt, obwohl es bereits eine größere Anzahl von reinen Wasser-ETFs gibt. Dies gilt aus unserer Sicht auch, obwohl die Wasser ETFs und die gemangten Fonds in den letzten Jahren weitgehend identische Performances gezeigt haben..

Eine wichtige Rolle spielt die Ungewissheit über die weiteren technologischen Entwicklungen, mit denen die Bewältigung der Süßwasserprobleme angegangen werden könnten. Indices, auf denen ETFs bekanntlich basieren, sind schließlich fixiert auf einen festen Kreis von Aktiengesellschaften, die entsprechende Problemlösungen anbieten.

Dieser Kreis könnte sich jedoch auch einmal sehr schnell und umfangreich erweitern und verändern, wenn neue Verfahren der Bio- und Nanotechnologie entwickelt werden, die einen größeren Fortschritt bei der Trinkwassergewinnung ermöglichen. Diese Verfahren könnten von Firmen entwickelt werden, die derzeit nicht zum Kreis der „Wasseraktien“ zählen, so dass ETF-Anleger zunächst nicht und allenfalls nur mit Verzögerung an dieser Entwicklung teilhaben könnten.

Wir glauben, dass zur Bewältigung der absehbar dynamisch erfolgenden Veränderungen des Wassermarktes ein professionelles Fondsmanagement dringend erforderlich ist.

Wer kurzfristig denkt und Zeit und Expertise zur Überwachung besitzt, der kann aus dem Kreis aussichtsreicher Wasseraktien auswählen. Das ist aber eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, weil viele als Wasseraktiengesellschaften bekannte Unternehmen nur zum Teil für den Wassermarkt produzieren.

Wer sollte in Wasseraktienfonds investieren?

Der Vergleich mit dem über viele Jahrzehnte anhaltenden Hype in Ölaktien ist aus unserer Sicht angebracht.

Das Thema Süßwasser zeigt alle Aspekte eines langfristigen dynamischen Trends.

Schließlich geht es um unsere Existenz, denn ohne sauberes Wasser hat die Menschheit keine Überlebenschance. Schon heute ist die mangelnde Trinkwasserversorgung für Millionen Menschen lebensgefährdend.

In Wasser zu investieren kommt eigentlich für fast jeden Anleger in Frage, dessen Anlagehorizont ein paar Jahre weit entfernt ist. Das Thema ist wegen der zu erwartenden Langfristigkeit des Trends auch für Aktienfondssparpläne interessant.

Chancen und Risiken

Das Ausmaß künftiger Kursschwankungen ist bei Aktieninvestmentfonds mit dem Fokus Wasser besonders schwer abzuschätzen. Die Abhängigkeit von konjunkturbedingten Marktschwankungen war bisher relativ groß. Das hängt damit zusammen, dass der „Wasseranteil“ in den jeweiligen Aktien in schwierigeren Börsenzeiten unbeachtet bleiben könnte. Wie weit sich das in Zukunft ändert, indem die Aussichten des Wasseranteils stärker im Fokus sind, ist nicht voraussehbar, ist aber dann, wenn das Wasserthema mehr diskutiert wird, erwartbar.

Wir erwarten, dass der Kreis der Wasseraktien sich deutlich verändern könnte, zum einen durch Ausgründungen der Wasseraktivitäten bei größeren Aktiengesellschaften. Zum anderen, wie oben bereits angedeutet, durch zusätzliche Aktiengesellschaften mit interessanten Aktivitäten in Richtung Wassermarkt.

Aktuell ist bei allen Wasseraktienfonds der Anteil der US-Aktien sehr hoch. Deshalb ist es dringend erforderlich, den Dollarkurs im Auge zu behalten.

Insgesamt

Wasseraktienfonds sind für langfristige Anlageziele gedacht und besonders gut geeignet für Anleger, die ihre Ziele nicht so oft verändern müssen. Wasseraktienfonds sollten eigentlich im Absicherungsbereich (Altersvorsorge, Familienabsicherung) eine zentrale Rolle spielen. Wer heute investiert, ist aus meiner Sicht so früh dran, dass er von der Dynamik dieses Themas profitieren kann, vorausgesetzt, die Anlagezeit ist nicht zu kurz und die Ungeduld nicht zu groß.

Übrigens: Die institutionellen Anleger haben das Thema Wasser seit langem für sich entdeckt. Das führte zuletzt sogar dazu, dass bei einigen Fonds nur noch aktuelle Anteilsinhaber investieren durften.

Fondsauswahl

Pictet Water P Fonds; Volumen 7,04 Mrd. €, WKN: 933349
Robeco SAM Sustainable Water Equities, 2,32 Mrd. €; WKN: A2QBUQ

Bildquelle:  Dorothea Jacob  / pixelio.de 

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